Pharma-Unternehmen im Vergleich

Pharma-Unternehmen stellen ein sehr interessantes Investment dar, da sie uns mit Medikamenten vesorgen, die uns gesund machen (sollten) – und krank werden die Menschen (leider) immer. Sie verfolgen also ein sehr nachhaltiges und krisensicheres Geschäftsmodell. Für Medikamente muß immer Geld da sein, selbst wenn man anderswo den Gürtel enger schnalle muß.

Aus diesem Grund habe ich die größten Pharma-Unternehmen einmal genauer betrachtet.

Folgende Pharma-Riesen habe ich dabei unter die Lupe genommen:
Die zwei Schweizer Giganten Roche und Novartis, den Viagra-Hersteller Pfizer, die britischen Konzerne AstraZeneca und GlaxoSmithKline, den Erfinder der Antidepressiva Eli Lilly, den Aspirin-Hersteller Bayer, die französische Sanofi und den Generika-Giganten Teva Pharmaceuticals

Das sind 9 der weltgrößten Pharma-Konzerne die wir jetzt genauer betrachten werden. Eingangs ein Vergleichs-Chart, wie die Pharma-Industrie gegenüber dem breit gestreuten S&P 500 Index der USA – einem hoch entwickelndem Land – in den letzten 10 Jahren an der Börse reüssiert hat.

Der S&P 500 sowie der Bloomberg World Pharma Index im Vergleich.
Der S&P 500 sowie der Bloomberg World Pharma Index im Vergleich.

 

Man sieht, daß die Pharma-Industrie generell weniger Volatilität aufweist, als der S&P 500, und ihn dennoch in den letzten 10 Jahren schlagen konnte.

Der Vergleich der Unternehmen:
Das größte Problem mit dem ein Unternehmen aus dem Pharma-Bereich konfrontiert ist, sind ablaufende Patente auf Medikamente. Generika-Hersteller können diese Medikamente dann unter anderen Namen auf den Markt werfen. Sie sind sozusagen die Medikamenten-Diskontern die den “Marken”-Produzenten das Leben schwer machen.
Deutlich zu sehen ist das bereits beim Umsatz-Vergleich:

ROCHE HOLDING AG-BR PFIZER INC NOVARTIS AG-REG ASTRAZENECA PLC SANOFI GLAXOSMITHKLINE PLC ELI LILLY & CO BAYER AG-REG TEVA PHARMACEUTICAL-SP ADR
Umsatz in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs
2004 29.522,00 n/a 52.516,00 n/a 28.247,00 n/a 21.426,00 n/a 14.871,00 n/a 19.986,00 n/a 13.857,90 n/a 23.278,00 n/a 4.798,90 n/a
2005 35.511,00 20,29% 47.405,00 -9,73% 31.005,00 9,76% 23.950,00 11,78% 27.311,00 83,65% 21.660,00 8,38% 14.645,30 5,68% 24.701,00 6,11% 5.250,40 9,41%
2006 42.041,00 18,39% 48.371,00 2,04% 34.393,00 10,93% 26.475,00 10,54% 28.373,00 3,89% 23.225,00 7,23% 15.691,00 7,14% 28.956,00 17,23% 8.408,00 60,14%
2007 46.133,00 9,73% 48.418,00 0,10% 38.072,00 10,70% 29.559,00 11,65% 28.052,00 -1,13% 22.716,00 -2,19% 18.633,50 18,75% 32.385,00 11,84% 9.408,00 11,89%
2008 45.617,00 -1,12% 48.296,00 -0,25% 41.459,00 8,90% 31.601,00 6,91% 27.568,00 -1,73% 24.352,00 7,20% 20.371,90 9,33% 32.918,00 1,65% 11.085,00 17,83%
2009 49.051,00 7,53% 50.009,00 3,55% 44.267,00 6,77% 32.804,00 3,81% 29.306,00 6,30% 28.368,00 16,49% 21.836,00 7,19% 31.168,00 -5,32% 13.899,00 25,39%
2010 47.473,00 -3,22% 67.057,00 34,09% 50.624,00 14,36% 33.269,00 1,42% 32.367,00 10,44% 28.392,00 0,08% 23.076,00 5,68% 35.088,00 12,58% 16.121,00 15,99%
2011 42.531,00 -10,41% 65.259,00 -2,68% 58.566,00 15,69% 33.591,00 0,97% 33.389,00 3,16% 27.387,00 -3,54% 24.286,50 5,25% 36.528,00 4,10% 18.312,00 13,59%
2012 45.499,00 6,98% 54.657,00 -16,25% 56.673,00 -3,23% 27.973,00 -16,72% 34.947,00 4,67% 26.431,00 -3,49% 22.603,40 -6,93% 39.741,00 8,80% 20.317,00 10,95%
2013 46.780,00 2,82% 51.584,00 -5,62% 57.920,00 2,20% 25.711,00 -8,09% 32.951,00 -5,71% 26.505,00 0,28% 23.113,10 2,25% 40.157,00 1,05% 20.314,00 -0,01%
2014E 46.825,82 0,10% 49.607,95 -3,83% 58.546,72 1,08% 25.938,62 0,89% 33.495,25 1,65% 23.741,73 -10,43% 19.816,24 -14,26% 41.575,56 3,53% 20.301,38 -0,06%
2015E 48.740,94 4,09% 48.596,15 -2,04% 57.538,72 -1,72% 25.419,62 -2,00% 35.315,19 5,43% 24.968,96 5,17% 21.146,65 6,71% 44.961,00 8,14% 20.238,14 -0,31%

(Ich habe leider noch keine vernünftige Möglichkeit gefunden große Tabellen in mein Blog einzubinden – ich hoffe es ist übersichtlich genug, auch wenn man nach rechts scrollen muss)

Insbesondere bei Pfizer sieht man in den letzten Jahren einen stetigen Umsatz-Rückgang, aber auch die anderen Unternehmen haben großteils rückläufige Umsätze. Sogar das Wachstums des einst stark wachsenden Generika-Giganten Teva wurde stark abgebremst und scheint komplett zum Stillstand gekommen zu sein. (Erwartetes Nullwachstum für die nächsten Jahre)

Die einzigen Ausnahmen bilden Bayer und Roche, wobei Bayer das Wachstum noch besser in Griff hatte (Roche hatte vor allem  im Jahr 2011 Probleme mit einem immer stärker werdenden Schweizer Franken und mit dem Rückgang aus dem Verkauf des Grippemittels Tamiflu). Deshalb würde ich hier den ersten Platz an Bayer vergeben und den zweiten an Roche.

Nun zum Gewinn:

ROCHE HOLDING AG-BR PFIZER INC NOVARTIS AG-REG ASTRAZENECA PLC SANOFI GLAXOSMITHKLINE PLC ELI LILLY & CO BAYER AG-REG TEVA PHARMACEUTICAL-SP ADR
Netto-Gewinn in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs in Mio Zuwachs
2004 6.606,00 n/a! 11.361,00 n/a 5.365,00 n/a 3.664,00 n/a 1.986,00 n/a 3.908,00 n/a 1.810,10 n/a 685,00 n/a 331,80 n/a
2005 5.923,00 -10,34% 8.085,00 -28,84% 6.130,00 14,26% 4.706,00 28,44% 2.258,00 13,70% 4.689,00 19,98% 1.979,60 9,36% 1.597,00 133,14% 1.072,30 223,18%
2006 7.880,00 33,04% 19.337,00 139,17% 7.175,00 17,05% 6.043,00 28,41% 4.006,00 77,41% 5.389,00 14,93% 2.662,70 34,51% 1.683,00 5,39% 546,00 -49,08%
2007 9.761,00 23,87% 8.144,00 -57,88% 11.946,00 66,49% 5.595,00 -7,41% 5.263,00 31,38% 5.214,00 -3,25% 2.953,00 10,90% 4.711,00 179,92% 1.952,00 257,51%
2008 8.969,00 -8,11% 8.104,00 -0,49% 8.195,00 -31,40% 6.101,00 9,04% 3.851,00 -26,83% 4.602,00 -11,74% -2.071,90 -170,16% 1.719,00 -63,51% 635,00 -67,47%
2009 7.784,00 -13,21% 8.635,00 6,55% 8.400,00 2,50% 7.521,00 23,27% 5.265,00 36,72% 5.531,00 20,19% 4.328,80 -308,93% 1.359,00 -20,94% 2.000,00 214,96%
2010 8.666,00 11,33% 8.257,00 -4,38% 9.794,00 16,60% 8.053,00 7,07% 5.467,00 3,84% 1.634,00 -70,46% 5.069,50 17,11% 1.301,00 -4,27% 3.331,00 66,55%
2011 9.343,00 7,81% 10.009,00 21,22% 9.113,00 -6,95% 9.983,00 23,97% 5.693,00 4,13% 5.261,00 221,97% 4.347,70 -14,24% 2.470,00 89,85% 2.759,00 -17,17%
2012 9.427,00 0,90% 14.570,00 45,57% 9.270,00 1,72% 6.240,00 -37,49% 4.889,00 -14,12% 4.499,00 -14,48% 4.088,60 -5,96% 2.403,00 -2,71% 1.963,00 -28,85%
2013 11.164,00 18,43% 22.003,00 51,02% 9.175,00 -1,02% 2.556,00 -59,04% 3.717,00 -23,97% 5.436,00 20,83% 4.684,80 14,58% 3.189,00 32,71% 1.269,00 -35,35%
2014E 12.798,59 14,64% 14.138,06 -35,74% 12.775,37 39,24% 5.568,28 117,85% 6.822,46 83,55% 4.556,62 -16,18% 2.982,27 -36,34% 4.957,84 55,47% 4.142,61 226,45%
2015E 13.598,77 6,25% 13.810,88 -2,31% 14.001,95 9,60% 5.173,36 -7,09% 7.532,62 10,41% 4.643,48 1,91% 3.350,47 12,35% 5.715,53 15,28% 4.105,58 -0,89%

Roche hatte in den letzten 10 Jahren nur 2 Jahre mit Gewinnrückgang – und der war relativ moderat und schnell wieder aufgeholt. Der Gewinn hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt.
Novartis hatte stärkere Schwankungen beim Gewinn (3 Jahre mit Rückgang), konnte aber insgesamt noch stärker wachsen.
Sanofi und Teva erwarten für 2014 und 2015 einen starken Anstieg beim Ergebnis,was zum stärksten Wachstum unter den Kanditaten führen würde.
Und Bayer hatte ebenfalls starke Schwankungen (4 Jahre mit Rückgang) konnte aber bis 2013 bereits einen Gewinn mehr als vervierfachen. Ich denke damit hat Bayer auch hier den Platz 1 verdient.
Beim Platz 2 tue ich mir sehr schwer. Teva hätte zwar das stärkste Wachstum, aber auch sehr starke Schwankungen (Rückgänge) beim Ergebnis aufgrund von Straftzahlungen für Patenverletzungen. So mußten sie z.B. im Jahr 2013 1,6 Milliarden USD für eine Patentverletzung bei einem Medikament gegen Sodbrennen (Protonix) gegenüber Pfizer und Takeda bezahlen. Das Risiko, das das nicht das letzte Mal war besteht jedenfalls..
Beiben als Kanditaten für Platz 2 nur Roche und Sanofi.
Die starken Rückgänge in den Jahren 2012 und 2013 bei Sanofi machen die Erwartungen für die nächsten beiden Jahre meiner Ansicht nach nicht wett. Roche wirkt solider und bekommt deshalb auch hier den Platz 2.

Gesamtkapitalrendite:

GK-Rendite Roche Pfizer Novartis AstraZeneca Sanofi GlaxoSmithKline Eli Lilly Bayer Teva
2004 11,30% 9,19% 10,22% 14,28% 2,33% 17,03% 7,28% 1,82% 3,44%
2005 8,56% 6,91% 10,62% 18,95% 2,61% 17,24% 8,05% 4,35% 10,32%
2006 10,59% 16,74% 10,55% 20,19% 5,15% 21,09% 12,13% 3,01% 2,67%
2007 12,48% 7,07% 15,83% 11,67% 7,32% 16,82% 10,99% 9,17% 8,34%
2008 11,79% 7,29% 10,47% 13,04% 5,35% 11,68% -7,09% 3,27% 1,93%
2009 10,44% 4,05% 8,80% 13,69% 6,58% 12,90% 15,76% 2,66% 5,92%
2010 14,20% 4,23% 7,94% 14,35% 6,41% 3,87% 16,35% 2,53% 8,73%
2011 15,17% 5,32% 7,76% 18,90% 5,66% 12,81% 12,92% 4,68% 5,50%
2012 14,55% 7,84% 7,46% 11,66% 4,87% 10,85% 11,89% 4,68% 3,88%
2013 17,96% 12,78% 7,27% 4,57% 3,87% 12,92% 13,29% 6,21% 2,67%

 

Eine wichtige Kennzahl: Wie viel erwirtschaften die Unternehmen aus dem vorhandenen Kapital?
Hier geht der erste Platz eindeutig an Roche. Die GK-Rendite liegt relativ stabil über 10%. – besonders in den letzten Jahren. Auch hier ist der Platz 2 schwierig. Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Glaxo und Eli Lilly, vorallem wenn man sich die letzten Jahre und die Prognosen für die Zukunft ansieht. Da Eli Lilly 2008 ein Verlustjahr hatte (unter anderem wegen einer Strafzahlung von 1,4 Milliarden USD wegen seiner Vermarktung des Psychopharmakums Zyprexa – Google: “Zyprexa-Skandal”) – was mir bei einem nachhaltigen krisensicheren Investment nicht gefällt – gebe ich den Platz 2 an GlaxoSmithKline.

Bayer hat also zweimal den Platz 1 und Roche einmal, dafür zweimal den Platz 2.
Die beiden Unternehmen erscheinen also als die solidesten unter den Vergleichskanditaten.

Zur Bewertung:
Nun schauen wir uns einmal an, was diese Firmen kosten  und ob es dabei das eine oder andere Schnäppchen gibt.

Bewertung Roche Pfizer Novartis AstraZeneca Sanofi GlaxoSmithKline Eli Lilly Bayer Teva
Dividendenrendite 2,99% 3,42% 2,98% 3,77% 3,26% 5,61% 2,95% 2,00% 2,66%
Div. Zuwachs 5J p.a. 9,30% 1,22% 4,14% 3,93% 4,94% 6,28% 0,21% 8,45% 20,83%
KUV 5,20 3,74 4,13 2,25 3,56 2,65 3,22 2,31 2,19
KBV 11,45 2,52 3,21 2,49 2,06 9,00 4,21 4,47 1,97
2004 17,55 17,82 29,66 8,49 41,22 18,35 35,48 26,59 56,19
2005 29,32 21,26 30,85 9,50 45,91 18,23 32,49 16,14 25,62
2006 24,51 9,66 26,72 6,96 23,71 14,35 22,14 18,50 44,88
2007 17,57 19,06 14,19 5,63 16,34 13,51 20,51 10,12 19,24
2008 15,74 14,74 17,00 6,66 15,50 14,48 -22,10 18,47 59,55
2009 19,59 17,00 17,74 5,61 13,77 12,38 9,48 34,05 25,92
2010 13,74 16,99 14,80 5,11 11,47 39,42 7,97 35,15 14,67
2011 14,82 16,62 16,18 3,85 13,36 14,12 11,07 16,54 13,78
2012 16,89 12,67 16,77 5,81 19,34 14,55 14,00 24,74 16,51
2013 19,23 9,02 21,00 17,56 27,47 14,39 12,27 26,44 26,69
Mittelwert 18,90 15,48 20,49 7,52 22,81 17,38 14,33 22,67 30,31
KGV2014 19,00 13,63 18,70 10,38 17,22 15,42 24,93 18,74 10,75
KGV2015E 17,88 13,96 17,07 11,18 15,59 15,13 22,19 16,25 10,85

Ich erachte in dieser Aufstellung sowohl den Dividendenzuwachs als auch das gegenwärtige KGV im Vergleich zum Durchschnitt der letzten 10 Jahre am aussagekräftigsten. Immerhin haben wir in diesem Zeitraum einen schlimmen Crash (Finanzkrise 2008) erlebt und seither eine extrem starke Rally.

Von den beiden Siegern aus dem fundamentalem Vergleich (Roche und Bayer) wirkt Bayer ein wenig günstiger, was das KGV 2014 und 2015 angeht. Bei der Dividende hat Roche die Nase leicht vorne. Ich denke beide Unternehmen sind ein guter Kauf mit dem man über die nächsten Jahre gut schlafen kann.

AstraZeneca erscheint mir insgesamt chronisch unterbewertet im Vergleich zum Mitbewerb. Da sich diese Unterbewertung aber bereits über 10 Jahre hinwegzieht – und das obwohl es keine Verlustjahre in diesem Zeitraum gab – könnte es sein, daß ich bestimmte Risiken übersehen habe. Über einen derart langen Zeitraum liegt der Markt selten so stark daneben. Meistens haben vermeintlich “billige” Aktien auch irgendwo einen Haken. Ich bin jedenfalls schon auf Kommentare diesbezüglich gespannt.

Teva erscheint ebenfalls – wenn die erwarteten Zahlen 2014 und 2015 erreicht werden können – als derzeit sehr günstig bewertet. Auch hier bin ich als konservativ denkender Mensch allerdings vorsichtig.

Zuletzt noch ein Blick über die Entwicklung meiner Favoriten über die letzten 10 Jahre. Deutlich zu erkennen ist, daß Bayer den größten Ertrag brachte, aber auch Roche konnte den Index schlagen. Bei Bayer ist der größere Gewinn-Wachstum dafür verantwortlich. Speziell in den letzten Jahren konnte Bayer den Gewinn in Vergleich zu Roche kräftiger steigern. Da an der Börse aber die Zukunft und nicht die Vergangenheit gehandelt wird, sind Charts immer mit Vorsicht zu genießen.

Die Entwicklung von Bayer, Roche sowie S&P500 über die letzten 10 Jahre im Vergleich
Die Entwicklung von Bayer, Roche sowie S&P500 über die letzten 10 Jahre im Vergleich

5 Gedanken zu „Pharma-Unternehmen im Vergleich“

    1. Die Angaben sind alle nominal (also nicht inflationsbereinigt) und in der Währung des jeweiligen Unternehmens – quasi direkt den Bilanzen entnommen. Das macht den Vergleich schwieriger, da natürlich die Schweizer mit dem starken Franken dadurch schlechter da stehen. Eine Inflationsbereinigung und Währungsanpassung war mir für den Artikel aber zu kompliziert – ich denke die Ergebnisse sind dadurch nicht so extrem verfälscht. Wahrscheinlich würde Roche noch ein wenig besser dastehen.
      Und – natürlich hast Du Recht – ein großer Teil des Wachstums ist der Inflation zu verdanken. Für Vergleichszwecke zwischen den Unternehmen ist das aber egal, da alle mehr oder weniger weltweit tätig sind und der Inflation im gleichen Maße unterworfen sind.
      Man sieht daran halt deutlich, daß Aktien ein inflationssicheres Investment sind.

      1. Also ich versuche mein Glück noch einmal, weil meine bisherigen Einwürfe dahingehend leider nicht berücksichtigt wurden…

        Die Gesamtkapitalrendite errechnet sich nicht, indem man den Nettogewinn durch die Bilanzsumme dividiert, sondern den Nettogewinn (inkl. Minderheitsanteile) + Fremdkapitalzinsen durch die Bilanzsumme. Es macht schon von der Logik her keinen Sinn, eine Größe die den Eigenkapitalgebern zusteht (den Jahresüberschuss nach Minderheiten), in eine Rentabilitätsbeziehung mit einer Größe die sich aus Eigen- und Fremdkapitalgebern zusammensetzt (der Bilanzsumme) zu setzen.

        Insofern läge beispielsweise die GK-Rendite bei der Roche für 2013 bei > 20%, da 11,3 Mrd. Jahresüberschuss zuzüglich 1,6 Mrd. Finanzierungskosten geteilt durch 62 Mrd. Bilanzsumme eben 20,8% ergeben. Je höher ein Unternehmen verschuldet, desto drastischer wirkt sich natürlich dieser Fehler in der Formel auf die Aussagekraft der Rentabilität aus.

        1. Daniel, Du hast natürlich recht. Ich habe mich trotzdem an meine “falsche” Methode gewöhnt, da sie einfacher zu berechnen ist und verschuldete Firmen eigentlich nur schlechter da stehen lässt. Es führt nie dazu, daß eine Firma besser da steht als bei der korrekten Berechnung.
          D.h. wenn dennoch ein guter Wert rauskommt, habe ich das immer als zusätzliche Sicherheit gesehen.
          Ich werde aber trotzdem – da Du natürlich recht hast und es nicht 100% korrekt ist – in Zukunft die Fremdkapitalkosten und die Minderheitsanteile wieder zum Gewinn dazu addieren bevor ich die GK-Rendite berechne.

  1. Ich bin der Meinung, dass Du da zuviel Aussagekraft in eine einzige Kennzahl pressen möchtest. Zwar bin ich noch jung, beschäftige mich aber auch schon ein paar Jährchen relativ intensiv mit dieser Materie und meine absolut eindeutige Erfahrung zeigt, dass es meist kontraproduktiv ist, wenn man in eine Kennzahl zuviel hineininterpretiert bzw. deren Berechnung sogar so modifiziert, dass sie noch “aussagekräftiger” wird. Die GK-Rentabilität ist eine von mehreren Rentabilitätskennzahlen und es hat keinen Sinn, deren Berechnung so zu verändern, dass sie auch noch was über den Schuldenstand aussagen soll (was ja – wie weiter unten steht – nicht mal unbedingt schlecht sein muss).

    Die modifizierte Berechnung würde beispielsweise auch zwei Unternehmen, die grundsätzlich völlig gleiche operative Charateristiken aufweisen, unterschiedlich dastehen lassen, wenn eines der beiden einfach nur ein paar Konzerntöchter hat, die nicht zu 100% ihm gehören. Das sollte nicht das Ziel der Übung sein.

    Außerdem kann es nicht sinnvoll sein, Unternehmen per se schlechter dastehen lassen zu wollen, nur weil sie höhere Schulden in Relation zu einem anderen Unternehmen bzw. der peergroup haben. Überhaupt keine Schulden zu haben – trotz historisch niedriger Zinsen und der Möglichkeit, über viele Jahre lang fix verzinste Anleihen aufzulegen – kann gegebenenfalls auch Fehlmanagement aus der Sicht der Aktionäre sein.

    Wenn ich nämlich zB zwei Unternehmen betrachte, die in einer Branche tätig sind, die 15% return on assets zulässt, so bevorzuge ich das Unternehmen, das mit 50% Eigenkapital arbeitet und den Rest mit Fremdfinanzierungen zu 4% fix über die nächsten 10 Jahre aufpäppelt, gegenüber dem, das mit 100% Eigenkapital arbeitet. Letzteres stünde aber nach Deiner Rechnung besser da als ersteres.

    PS: offenbar sind wir unter der Schirmherrschaft von Christian Drastil Blogger-Kollegen 🙂

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